MICHAEL WEISS

Maler

Bildhauer

Galerie Berliner Plastiken

Berliner Bildhauer Michael Weiss


Der Berliner Bildhauer Michael Weiss arbeitet ganz anders als der Maler. Nichts wirkt spontan, impressiv, impulsiv, abstrakt. Jeder Körper ist das Resultat langer Sitzungen. Ob in Brennton geformt oder in Modellierton, von dem der Berliner Bildhauer später Gußformen herstellt, das Modell steht, liegt, sitzt. Den menschlichen Akt bildet der Künstler nach, Konturen des Mannes, der schwangeren Frau, der liegenden im Badeanzug wird gebildet, der Ton in Schichten aufgetragen, abgeschabt, wieder aufgetragen, geglättet, aufgeraut, die Flächen verbinden ein ständiges Hin und Her mit den Augen zwischen Modell und Plastik, ein Vor und Zurück, um das Geformte mit Abstand betrachten zu können, und die Fehler beim Gesamteindruck aus der Distanz zu verbessern, auszumerzen.


Das Ergebnis ist vom Berliner Bildhauer wohl durchdacht und benötigt das Modell nicht mehr. Unbewußt, unmerklich, schleichend löst sich die Plastik vom Modell, beginnt ein Eigenleben, fordert ihre Eigenart, emanzipiert sich. Ziel ist nicht eine Eins zu Eins Abformung, sondern eine Plastik, die stimmig ist. Jede Rundung, jede Kante muß sitzen. Kein menschliches Modell ist perfekt, aber die Nachbildung kann es sein. Sie muss den Betrachter einladen, sich auf sie einzulassen, sie umwandern zu wollen. Das kann sie nur, wenn die Konturen stimmen, die Formen weitergehen, und den Betrachter herausfordert, herum zu gehen, sie im Kreis zu betrachten. Die Plastik lebt aus sich heraus, ist manchmal verwandt mit dem Modell oder hat sich unabhängig weitergebildet.


Die Plastiken des Berliner Bildhauers Michael Weiss sind eigene Wesen, auch wenn sie in kleiner Auflage, meist drei bis fünf Abformungen entstehen. Der Gesichtsausdruck ist der Stimmung angepaßt, sie bekommen eine leicht veränderte Bekleidung, die nur durch Farbe aufgetragen wird. Bunt sind die Arbeiten nicht, reduziert auf den bevorzugten Manganton, kleine Akzente gesetzt durch Farbe, manchmal überzogen mit einer Patina.


Eine der jüngeren Serien des Berliner Bildhauers ist nicht figürlich angelegt. Sie stellen abstrahierte Landschaften dar, sind schmale Bildwerke, besser gesagt zweiseitige Reliefs, wobei sich die Vorderseite mit der Rückseite verbindet und man am Ende nicht weiß, was vorne oder hinten ist. Jeder Betrachter setzt die abstrakten Formen zu Berge und Täler, zu Felder und Wiesen, Anhöhen und Senken zusammen, sucht sich seine Lieblingsstellen oder assoziiert Körperlandschaften.


Konträr sind die Arbeiten des Berliner Künstlers. Die Bilder resultieren nicht aus den Plastiken und diese nicht aus den Bildern. Jedes Medium fordert von Michael Weiss eine andere Herangehensweise, figürlich - abstrakt, farbig, reduziert-expressiv-besinnlich. Gemeinsam ist allen, dass überlegt begonnen wurde, dass sie mit Hilfe einer Skizze, eines Modells anfangen, bis sie ein Eigenleben entwickeln, ihre eigenen Gesetze einfordern und am Ende als autonome Werke dastehen.


Text:  Arnold Müller, Berlin 2012

 

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Atelierbesuch beim Berliner Bildhauer in Kreuzberg

Galerie einer Auswahl der Plastiken vom Berliner Bildhauer